Existenzökologie: Wie machen wir der Geschichte ein Subjekt?

Vortrag auf dem 13. Kongress von attac Karlsruhe

Am 26. Januar lud attac Karlsruhe zu seinem mittlerweile bereits 13. Kongress ins Kulturzentrum Tollhaus. 260 Teilnehmer*innen diskutierten vier Vorträge, die der akuten Brutalisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse Perspektiven einer solidarischen Existenz- und Lebensweise entgegensetzten.

Einer psychosozialen Bestandsaufnahme der Gegenwart (Georg Rammer) folgte der Entwurf eines der Permanenz sozialer Konflikte einzuschreibenden „Neuen Gesellschaftsvertrags” (Jörg Reitzig), der dann an den Ausstieg aus der „imperialen Lebensweise” (Uli Brand) geknüpft wurde. Für mich eine willkommene Gelegenheit, die freiwillige Knechtschaft als das existenziale Geheimnis dieser Lebensweise und ihrer fortschreitenden Brutalisierung zu dechiffrieren.Die Intensität der Debatte resultierte auch aus der mittlerweile beeindruckend langen Geschichte der Karlsruher attac-Kongresse: merci dafür! „Existenzökologie: Wie machen wir der Geschichte ein Subjekt?“ weiterlesen

Für eine Theorie der kommenden Revolution

Elf Thesen zu Hegel, Marx und Kierkegaard

Im September 2018 feierte das Institut für Theologie und Politik (ITP) in Münster das 25. Jubiläum seiner Gründung. Es ist kein Zufall, sondern innerste Konsequenz seiner Politischen Theologie, zu diesem Anlass nach der kommenden Revolution zu fragen. Dass die Genoss*innen mich um den Eröffnungsvortrag baten, war dann aber ebenfalls kein Zufall: kommen Politische Theologie und Politische Philosophie doch in der Unbeugsamkeit zusammen, mit der sie sich dem Aberglauben vom „Ende der Geschichte“ und dem Götzendienst einer Welt verweigern, die ihre Transzendenz verleugnet. (Lang) „Für eine Theorie der kommenden Revolution“ weiterlesen

Geist von 68

Wenn‘s um Kollektive gehen soll, geh‘ ich mit 68 auf Marx zurück: es müssten Kollektive sein, die alle Kollektive auflösen.

NONPOLITICS

Im Juni 2018 befragte mich David Doell für das Magazin NON zum Geist des Mai 68 und zur Politik in erster Person als Grundlage einer klassenlosen Gesellschaft: „Nicht, dass das gänzlich verloren gegangen wäre, im Gegenteil. Unabgegolten aber bleibt, dass aus all‘ dem eine neue Welt werden sollte. Dass es dazu nicht kam, wirkte dann auch auf das zurück, was man erreicht hat.“ (kurz) „Geist von 68“ weiterlesen

Solidarität statt Heimat

Nennen wir das Problem beim Namen. Es heißt nicht Migration. Es heißt Rassismus.

Im Juni 2018, inmitten einer rassistischen Kampagne zugleich von oben und von unten, veröffentlichten medico international, das Institut Solidarische Moderne und das Netzwerk Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung einen gemeinsamen Aufruf, der zugleich der rassistischen Kampagne und der – zurückhaltend formuliert – Verunsicherung vieler Linker entgegentrat. Binnen weniger Tage wurde dieser Aufruf von über 16.000 Menschen unterzeichnet: eine Anzeige dafür, auf wen Verlass ist – und auf wen nicht. Denn die entschiedenste Kritik wurde diesem Aufruf – aus der Linken zuteil. Zeit der Monster. (Kurz) „Solidarität statt Heimat“ weiterlesen

Der ‚Fall Marx‘

Historisierung der Dialektik

Karl Marx‘ Verbindlichkeit beruht auf dem, was man  – analog zum Umgang mit Friedrich Nietzsche und Friedrich Hölderlin – seinen „Fall“ nennen könnte. Der „Fall Marx“ liegt in der Radikalität, mit der er Theorie und Praxis in einem politischen Philosophieren zusammengeführt hat, das er „kommunistisch“ genannt und an die „wirkliche Bewegung“ verwiesen hat, „welche den jetzigen Zustand aufhebt“. Ich frage nach der Bewegung, in der wir den „Fall Marx“ heute zu unserem eigenen machen können. Erschienen in der vierten Ausgabe der politisch-philosophischen Zeitschrift Narthex, Frühjahr 2018. (Länger) „Der ‚Fall Marx‘“ weiterlesen

Kanzelrede zur Ökologie der Existenz

Dialektik der Prekarisierung

Im November 2017 fand in Wien die Konferenz „Dialektik der Befreiung“ statt. Als Kuratoren knüpften Walter Famler, Karl-Heinz Dellwo und ich an den gleichnamigen Kongress an, den die Antipsychiater Ronald D. Laing und David Cooper 1967 in London organisiert hatten. Im Rahmen des Formats „Kanzelreden“ führten Isabelle Lorey und ich in eine Dialektik der Prekarisierung ein. Eine Videodokumentation beider Kanzelreden findet sich auf youtube. (Länger) „Kanzelrede zur Ökologie der Existenz“ weiterlesen

Einführung in die Ökologie der Existenz

wo wir stehen wer wir sind und worum es in der geschichte eigentlich geht.

Am 29. November 2017 lud mich die Gruppe Nitribitt – Frankfurter Ökonomien zur Vorstellung der „Ökologie der Existenz“ in das Hausprojekt Nika in der Niddastraße ein: „Thomas Seibert hat ein Krisenbuch geschrieben. Welche Krise? Viele Krisen. Everything is not okay. Wir sind die Proletarisierten eines Kapitals, das längst nicht mehr nur die Arbeit, sondern unser ganzes Existieren, unsere Ökologie in seinen Wachstumswahn zwingt. Wer sich daraus zur Freiheit befreien will, wird die Reformation der Lebensweisen fortführen müssen, deren bislang letztes Abenteuer der Mai 1968 war.“ Variationen des Vortrags habe ich mittlerweile auch anderswo präsentiert: weitere Gelegenheiten lassen sich finden… „Einführung in die Ökologie der Existenz“ weiterlesen

Der Anteil der Anteillosen

Eine Intervention nach dem Hamburger Juli-Riot 2017

Vom 7. bis 8. Juli 2017 fand in Hamburg der G20-Gipfel in Hamburg statt – mit Trump, Putin und Erdoğan, friedlichem Protest und viel Gewalt: zuerst der Gewalt des Staates und dann derer, die sich von ihr nicht abschrecken ließen. Ich war die ganze Woche dabei und mich dann auch in die Debatte eingemischt : Erst in der taz vom 12.7.2017, dann auf mehreren Veranstaltungen, zuerst in Frankfurt. Ich beginne mit dem Beitrag in der taz: kurz.

„Der Anteil der Anteillosen“ weiterlesen