Angaben zur Person

Wien, Konferenz Dialektik der Befreiung, 2017

Thomas Seibert, Philosoph, Autor, politischer Aktivist, 1957 in Rüsselsheim geboren. Politisiert 1972 über die Besetzung und die Räumung eines „Internationalen Jugendzentrums in Selbstverwaltung“, dann Schüler*innen- und Jobber*innenbewegung, Häuserkampf, Anti-AKW-Bewegung. Über die Musik von Patti Smith Begegnung mit der Dichtung Rimbauds, Einführung in die „absolute Literatur“ (Calasso). Im Deutschen Herbst, wegen des Deutschen Herbst 1977 erste philosophische Lektüren. Zwanzigster Geburtstag am 16. Oktober 1977: In der Nacht des nächsten Tags sterben Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan Carl Raspe in Stuttgart-Stammheim. Am 28. Oktober 1977 veröffentlichen die Sex Pistols die LP Never mind the Bollocks. Im Januar 1978 Teilnahme am TUNIX-Kongress in Berlin.

Straßburg, Frankreich, 1982

1978 im Selbstverlag der Gedichtband Manifest. Seit 1978 teile ich mein Leben mit der Kunst- und Architekturhistorikerin Bettina Rudhof. Gemeinsamer Umzug nach Wiesbaden, später nach Mainz, zurück nach Wiesbaden, schließlich nach Frankfurt.

Ab den frühen 1980ern, noch während der Startbahnkämpfe, mehrjähriger Rückzug aus dem politischen Aktivismus. 1982, wieder im Selbstverlag, der Gedichtband Glasmorgenliebe. Systematische Lektüren philosophischer Texte, nach Marx, Bakunin et.al. Kierkegaard, Stirner, Nietzsche, Heidegger, Kojève, Bataille, Sartre, de Beauvoir, kontinuierlich begleitet von Lektüren absoluter Literatur. Von dort her dann die kritisch-theoretischen, operaistischen, französischen, feministischen, postkolonialen Autor*innen. Erste Hegel-Lektüren, trotzdem. Wechselnde berufliche Tätigkeiten, Spedition, Taxi (bis 1996).

 

Charleville, Frankreich, frühe 1980er

1984 dann doch Abitur auf dem Wiesbadener Abendgymnasium: nicht, um noch einen Fuß in irgendeine Tür zu kriegen, sondern um kein „Autodidakt“ des Typs zu werden, den Sartre im „Ekel“ beschreibt. Philosophiestudium in Mainz und Frankfurt, Besuch der Seminare des Philosophen Jörg Engelmann an der FH Wiesbaden, dort Einführung in Denken und Dichtung Dieter Leisegangs. Wegen der deutschen Wiedervereinigung und der ersten Welle eines staatlich flankierten rassistischen Mobs Rückkehr in den politischen Aktivismus.

1991 Leaving the 20th Century, Artikel zur Geschichte der Situationistischen Internationale (S.I.) in der Frankfurter Studierendenzeitschrift diskus. Beginn der bis heute fortgesetzten Publizistik mit einer Vielzahl von Artikeln in linken Zeitungen und Zeitschriften und vielen Beiträgen in Sammelbänden zu kritischer Gesellschaftstheorie, Philosophie (Marxismus, Existenzialismus, „Kommunismus“-Debatte). Diese Website dokumentiert davon eine Auswahl.

1995 Promotion: Geschichtlichkeit, Nihilismus, Autonomie (M&P Verlag, Stuttgart, 1996).

1997 Erste freie Buchveröffentlichung: Existenzphilosophie (Metzler Verlag, Stuttgart). Beginn der Mitarbeit in der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international, erst Referent für Kultur- und Gesellschaftskritik, heute auch Südasien- und Menschenrechtsreferent.

1999 Mitorganisator der Proteste gegen den G8-Gipfel in Köln, denen noch nicht gelang, was nur wenig später, im selben Jahr, in Seattle möglich wurde. Von da an kontinuierliche Teilnahme an den Alterglobalisierungsbewegungen: Genua (2001), Florenz (2002), Paris (2003), Athen (2006), Heiligendamm (2007), Malmö (2008). In ihrem Zusammenhang Beteiligung an den „Beratungstreffen“ radikaler Linker, aus denen 2004 die Interventionistische Linke (IL) hervorging.

2000 Existenzialismus (Europäische Verlagsanstalt/Rotbuch, Hamburg).

2002/2008 Redakteur von Fantômas – Halbjahresmagazin für Analyse und Kritik (13 Ausgaben). Die Zeitschrift ist maßgeblich daran beteiligt, die internationale „Kommunismus“-Debatte auch in Deutschland zu verbreiten, veröffentlicht Artikel u.a. zu Hardt/Negri, Badiou, Žižek, zur Theorie des Empire, zu Feminismus, Antirassismus, Ökologie, radikaler Demokratie. Für mich selbst verdichtet sich diese Debatte in der steten Herausforderung durch das Denken Badious.

2005 Im Rahmen der medico-Arbeit erste Reise nach Sri Lanka, auf die eine Vielzahl von Reisen auch nach Bangladesch, Pakistan und Afghanistan folgt.

2009 Krise und Ereignis. 27 Thesen zum Kommunismus (VSA-Verlag, Hamburg).

2010 Die abflauenden Alterglobalisierungsbewegungen übersetzen sich in fortlaufende Experimente eines „Crossovers“ oder „Mosaiks“ von linker Bewegungs- und Parteipolitik. Darum seit 2010 Vorstandssprecher des Instituts Solidarische Moderne und seit 2011 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Rosa Luxemburg Stiftung.

 

2011/2014 Teilnahme am Blockupy-Bündnis, in dem die auf den Arabischen Frühling 2010 folgende Sequenz der weltweiten Platzbesetzungen nach Deutschland schwappt. 2012 dazu das Manifest alle zusammen. jede für sich. die demokratie der plätze (VSA-Verlag Hamburg, zusammen mit Michael Jäger). Zum Schluss dieser Welle, Januar 2015, demokratischer Umbruch auf Sri Lanka, ein langersehnter politischer Erfolg, der im Augenblick, da diese Zeilen online gehen , verloren zu gehen droht (10.11.2018).

 

Basel, WOZ-Kongress, 2017

2017 Im Frühjahr Zur Ökologie der Existenz. Freiheit, Gleichheit, Umwelt (Laika Verlag, Hamburg). Im Juni Teilnahme an den Protesten gegen den Hamburger G20-Gipfel. Im Herbst der zusammen mit Martin Birkner herausgegebene Sammelband Kritik und Aktualität der Revolution (Mandelbaum Verlag, Wien). Im Dezember gemeinsam mit Walter Famler und Karl-Heinz Dellwo Kurator der Konferenz Dialektik der Befreiung, Alte Schmiede, Wien.

Im Mai 2018 für medico Mitorganisator der von über 1000 Teilnehmer*innen besuchten internationalen Konferenz Emanzipation in Berlin, gemeinsam mit der Freien Universität und der Humboldt Universität.

Karatschi, Pakistan 2018